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Brief an die Aktionäre

 

Sehr verehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

 

im Geschäftsjahr 2008 konnte Infineon das Ergebnis vor Sondereffekten, Zinsen und Steuern gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessern. Jedoch führte insbesondere die schwere Krise im Markt für Speicherchips mit ihrer Wirkung auf unsere Qimondabeteiligung zu einem erheblichen Jahresfehlbetrag und einer Reduktion des Eigenkapitals. Dies belastete den Kurs der Infineon-Aktie ebenso wie die gegen Ende des Geschäftsjahrs einsetzende weltwirtschaftliche Abschwächung, die in der gesamten Halbleiterindustrie einen teilweise sehr deutlichen Rückgang der Auftragseingänge zur Folge hatte. Während Umsatz und Ergebnis im Geschäftsjahr 2008 davon unberührt blieben, wird dies die Ergebnisentwicklung im laufenden Geschäftsjahr erheblich beeinflussen. Mit dem im Sommer 2008 frühzeitig eingeleiteten Kostensenkungsprogramm IFX10+, das wir im Hinblick auf die fortschreitende konjunkturelle Abschwächung intensiviert haben, und der Neuorganisation des Unternehmens versuchen wir, den für das Geschäftsjahr 2009 absehbaren negativen Effekten so weit möglich entgegenzuwirken. Lassen Sie mich nun auf das letzte Geschäftsjahr und den Ausblick im Einzelnen eingehen.

 

Ergebnis im Kerngeschäft 2008 operativ verbessert;
Qimondas Verluste belasten

 

Das Geschäftsjahr 2008 war von zwei gegenläufigen Entwicklungen gekennzeichnet: deutliche operative Verbesserungen im Kerngeschäft wurden von Restrukturierungsaufwendungen und insbesondere Aufwendungen im Zusammenhang mit der Krise im Speichermarkt und bei Qimonda überkompensiert. Das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten vor Sondereffekten, Zinsen und Steuern verbesserte sich im Geschäftsjahr 2008 auf 160 Millionen Euro nach 79 Millionen Euro im Vorjahr. Dies wurde trotz eines in diesem Betrag enthaltenen negativen Effekts aus der Abschwächung des US-Dollar gegenüber dem Euro von mehr als 100 Millionen Euro erzielt. Dennoch stellte sich vor allem auf Grund von Einmalaufwendungen für das Kostensenkungsprogramm IFX10+ in Höhe von 166 Millionen Euro ein Jahresfehlbetrag aus fortgeführten Aktivitäten von minus 135 Millionen Euro ein. Außerhalb des Kerngeschäfts wirkten die Krise im Speichermarkt sowie Abschreibungen auf den Buchwert unserer Qimonda-Beteiligung negativ. Der Konzernfehlbetrag betrug daher minus 3,12 Milliarden Euro und belastete das Eigenkapital in gleicher Höhe.

 

Marktanteilsentwicklung weiter positiv

 

Auch wenn die Ergebnisse unter dem Strich nicht zufrieden stellen können, belegt neben den operativen Ergebnissen auch die weiterhin positive Entwicklung unserer Marktanteile im Kerngeschäft das Potenzial des Unternehmens. So waren wir laut Semicast im Kalenderjahr 2007 erstmals Marktführer bei Halbleitern für das Industriesegment mit einem Anteil von 7,5 Prozent. Auch bei den Chips für drahtgebundene Kommunikation wurde, nicht zuletzt durch die Übernahme des DSL-Geschäfts von Texas Instruments, in 2007 die Marktführerschaft erreicht (Quelle: Gartner Dataquest). Diese Position behauptete das Unternehmen im Markt für Chipkarten-ICs laut Frost & Sullivan das elfte Mal in Folge. Bei Halbleitern für Automobilapplikationen war Infineon im Kalenderjahr 2007 erneut die weltweite Nummer zwei. Laut Strategy Analytics lag der Marktanteil hier bei 9,4 Prozent. Außerdem wurden beim Marktanteil für Mobilfunk-Chips deutliche Verbesserungen erzielt. Eine Vielzahl neuer Produkte ging in die Volumenproduktion, die neue HSDPA-Technologie lief erfolgreich bei vier Kunden an. Alle fünf großen Mobiltelefonhersteller sind heute Infineon-Kunden. Der Bereich Mobilfunk verbuchte im Jahresvergleich einen Umsatzanstieg von fast 50 Prozent, und der Verlust vor Zinsen und Steuern wurde deutlich reduziert.

 

Aktienkurs belastet von Qimonda und Abschwächung der Weltkonjunktur

 

Mit Blick auf den Aktienkurs rückten die Fortschritte bei operativem Ergebnis und Marktanteilen in den Hintergrund. Geprägt wurde das Geschäftsjahr 2008 von den generellen Kursrückgängen an den Weltbörsen. Diese führten beim Deutschen Aktienindex Dax im Geschäftsjahr 2008 zu einem Minus von 26 Prozent, während der Philadelphia Semiconductor Stock Index um 39 Prozent fiel. Speziell bei Infineon kam die schwere Krise im Markt für Speicherchips hinzu, die bei unserem Tochterunternehmen Qimonda einen Aktienkursrückgang von 93 Prozent zur Folge hatte. Aus der Kombination dieser beiden Faktoren ergab sich für die Infineon-Aktie im Geschäftsjahr 2008 ein Minus von 68 Prozent auf 3,92 Euro per 30. September 2008. Gegen Ende des letzten und zu Beginn des laufenden Geschäftsjahrs mussten wir dann einen generellen Rückgang der Weltwirtschaft und einen teils sehr starken Rückgang der Halbleiternachfrage hinnehmen. Im Zusammenhang damit setzte sich im neuen Geschäftsjahr der Kursverfall fort, so dass die Infineon-Aktie Ende Dezember 2008 deutlich unter einem Euro notierte.

 

IFX10+ und Neuorganisation sollen wirtschaftlicher Eintrübung entgegenwirken

 

Die Kursentwicklung der Infineon-Aktie war und ist völlig unbefriedigend. Gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen habe ich daher bereits im Sommer 2008 das Kostensenkungsprogramm IFX10+ sowie die Neuorganisation des Unternehmens auf den Weg gebracht. Die schnelle Einführung beider Maßnahmen stellte sich im Hinblick auf den besorgniserregend deutlichen Rückgang unseres Auftragsvolumens seit Herbst 2008 als richtig und notwendig heraus. Der Nachfragerückgang, den wir seit August 2008 auf Grund der Abschwächung der Weltkonjunktur sahen, bewegte uns dazu, im Rahmen des Kostensenkungsprogramms IFX10+ bis zum vierten Geschäftsjahresquartal 2009 weit mehr als die ursprünglich geplanten Einsparungen von mindestens 50 Millionen Euro pro Quartal im Vergleich zum dritten Geschäftsjahresquartal 2008 oder, auf das Jahr hochgerechnet, von mehr als 200 Millionen Euro, zu definieren. Diese zusätzlichen Einsparungen erwarten wir uns vor allem aus weiteren, kostensenkenden Maßnahmen im Gemeinkostenbereich. Leider wirken der drastische Umsatzrückgang und die Unterauslastung von Produktionskapazitäten dem so stark entgegen, dass die zusätzlichen Einsparungen mehr als vollständig aufgehoben werden. Hauptsächlich werden mit IFX10+ und Neuorganisation folgende Maßnahmenpakete umgesetzt:

 

ERSTENS: Die eingeleitete Intensivierung des Portfolio-Managements wird fortgesetzt. Wir haben bereits unprofitable oder nicht ausreichend profitable Randaktivitäten veräußert oder geschlossen und werden dies fortsetzen. Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen konzentrieren wir wirksamer auf weniger Aktivitäten.

 

ZWEITENS: Im Bereich der Herstellungskosten soll zusätzlich zur angestrebten Senkung der Stückkosten eine weitere Reduktion in Höhe von jährlich 150 Millionen Euro erreicht werden. Dazu werden wir beispielsweise Produktdesigns auf kostengünstigere Prozesse umstellen, den Fremdfertigungsanteil erhöhen und in der Eigenfertigung die Verlagerung nach Asien beschleunigen. Angesichts des sich verschlechternden Marktumfeldes streben wir zudem eine weitere Variabilisierung unserer Fertigungskosten an.

 

DRITTENS: Wir optimieren Prozesse und Aufgaben im Gemeinkostenbereich, also im Vertrieb, in der Verwaltung sowie in Forschung und Entwicklung. Dies steht in engem Zusammenhang mit der Neuorganisation des Unternehmens.

 

VIERTENS: Auf Grund der oben genannten drei Maßnahmenbündel kommen wir nicht umhin, die Zahl der Arbeitsplätze signifikant zu reduzieren.

 

Wie sieht die Reorganisation des Unternehmens nun genau aus? Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit sind die drei zentralen Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft. Unsere Produkte erhöhen seit vielen Jahren die Effizienz bei Energieerzeugung, Energieübertragung und Energieverbrauch und machen Autos sparsamer, sicherer und sauberer. Sie verbinden – mobil oder drahtgebunden – immer mehr Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort oder ermöglichen den Zugang zum Internet. Und sie sorgen dafür, dass Datenaustausch, Finanztransaktionen und Grenzkontrollen einfacher und sicherer werden.

 

Um die daraus resultierenden Potenziale besser nutzen zu können und gleichzeitig Kosten zu reduzieren, wurden unsere bislang 14 organisatorischen Einheiten ab dem 1. Oktober 2008 in den fünf neuen Divisionen Automotive, Industrial & Multimarket, Chip Card & Security, Wireless Solutions und Wireline Communications zusammengefasst. Die Divisionen orientieren sich in ihrem organisatorischen Zuschnitt nun genau an ihren Zielmärkten. Alle Aktivitäten sind koordiniert auf die Kundenbedürfnisse in diesen Zielmärkten ausgerichtet, die Systemkompetenz wird weiter erhöht und Geschäfte innerhalb eines Zielmarkts, nicht innerhalb einzelner organisatorischer Einheiten optimiert. Gleichzeitig wird das Unternehmen durch die neuen Divisionen schlanker, da wir Überschneidungen mit der Unternehmenszentrale abbauen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Effizienzsteigerung und Realisierung der unter IFX10+ angestrebten Einsparungen.

 

Angesichts der weltwirtschaftlichen Entwicklung und der daraus folgenden und in ihrer Höhe nicht exakt einschätzbaren Abschwächung des Welt-Halbleitermarkts konzentrieren wir uns mithilfe von IFX10+ auf die Optimierung unseres Mittelzuflusses bei gleichzeitigem Erhalt einer guten Position in unseren Zielmärkten und bei unseren Kunden.

 

Qimonda

 

Zusätzlich zu den genannten Maßnahmen im Kerngeschäft unternahm die Unternehmensleitung gemeinsam mit Qimonda erhebliche Anstrengungen, um die Situation von Qimonda durch das Engagement eines strategischen - oder Finanzinvestors zu verbessern und dabei auch die Höhe des von Infineon gehaltenen Anteils an Qimonda zu reduzieren. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden dazu Gespräche mit einer Vielzahl von interessierten Parteien geführt, die jedoch in Anbetracht der weltweiten Finanzkrise sowie der Krise im Markt für Speicherchips nicht zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden konnten. Trotz aller Schwierigkeiten konnten wir dennoch gegen Ende des Jahres 2008 eine prinzipielle Einigung zwischen dem Freistaat Sachsen, dem Staat Portugal und Infineon über ein Finanzierungspaket für Qimonda von 325 Millionen Euro erzielen. Im Rahmen dieses Paketes war das Land Sachsen bereit, ein Darlehen über 150 Millionen Euro zu gewähren, während der Staat Portugal 100 Millionen Euro und wir selbst 75 Millionen Euro an Krediten gewähren wollten. Zusammen mit diesem ersten Paket sollte Qimonda durch eine staatliche Bürgschaft über 280 Millionen Euro sowie weitere Finanzierungen die Möglichkeit gegeben werden, das Unternehmen zu stabilisieren und die innovative Buried- Wordline-Technologie in die Volumenproduktion zu bringen. Angesichts der schwierigen konjunkturellen Gesamtlage und einer weiteren Verschlechterung des DRAM-Geschäftes im Dezemberquartal war es den verhandelnden Parteien nun jedoch nicht möglich, ein tragfähiges Rettungspaket zu schnüren. Die unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Verhandlungspartner sind jeweils nachvollziehbar, waren aber letztlich nicht miteinander vereinbar. Trotz des Bemühens aller Parteien und obwohl Infineon mit dem Eigenbeitrag von 75 Millionen Euro an die Grenze des Machbaren gegangen ist, gelang es leider nicht, die Insolvenz von Qimonda abzuwenden. Wir werden nun gemeinsam mit allen betroffenen Parteien alles daran setzen, die Auswirkungen dieser Insolvenz auf den Geschäftsbetrieb von Infineon so gering zu halten wie irgend möglich.

 

Dank an die Mitarbeiter

 

Die bislang erreichten operativen Verbesserungen im Kerngeschäft und die Umsetzung der jetzt eingeleiteten Maßnahmen werden von unseren Mitarbeitern getragen und vorangetrieben. Dabei zeigt die Belegschaft in besonderem Maße Flexibilität, Kompetenz, Einsatzbereitschaft und Hingabe. Für den anhaltend hohen Einsatz auch in der gegenwärtig schwierigen Phase sowie für die erbrachten Leistungen der Mitarbeiter bedanke ich mich herzlich und ausdrücklich, auch im Namen meiner Vorstandskollegen.

 

 

NEUBIBERG, IM JANUAR 2009

 

 

PETER BAUER

Sprecher des Vorstands

 

 

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